Warum denn eine Selbsthilfe-Gruppe...??

Solange wir gesund waren, kam uns übrigens auch nicht die Idee mit völlig fremden Menschen einen Stuhlkreis zu bilden und über unsere Miß-Befindlichkeiten zu plaudern…

Aber da gibt es einen Punkt, an dem man feststellt, dass es SO und dass man SELBST nicht mehr weiterkommt. Das ist der Moment, wo viele sich einen Therapeuten suchen, oder in eine Reha gehen. Sowohl als Begleitung, als auch als Nachsorge, wird von vielen Therapeuten dort eine gruppentherapeutische Unterstützung empfohlen.

 

Warum sind diese Gruppen denn überhaupt so wertvoll…?

Eine Gruppentherapie ist keine Therapie gleich einer ganzen Gruppe aufeinmal, sondern viel eher eine Therapie, die DURCH die ganze Gruppe auf die Einzelnen dosiert und individuell einwirkt. Eine Gruppe hat eine Reihe von Wirkungen, die jeder Teilnehmer für sich selber und ganz anders erlebt. Was an dem einen spurlos vorüberging, das hat das Denken des anderen vollkommen neu beeinflusst. Alleine in einer Gruppe verstehender und daher mitfühlender Menschen zu sitzen, hat eine unglaublich positive Wirkung auf die Psyche.

Am stärksten wirkt der Faktor „Vertrauen“, denn wenn Gleichgesinnte in einem Raum zusammensitzen und niemand seine eigenen Gefühle, oder die der anderen zu schonen müssen glaubt, löst sich die Zunge leichter und lässt die alte Last der Seele endlich häppchenweise frei. Wie erleichternd ist es, zu erfahren, dass man mit seinen Gefühlen und Ängsten nicht alleine dasteht! Wie einfach ist es plötzlich auch sich selber ein paar „nur ganz alberne Kleinigkeiten“ von der Brust zu reden – und plötzlich in den anteilnahmsvollen und verständigen Gesichtern der anderen lesen zu können: „Das ist alles weder albern, noch klein – wir verstehen ganz genau, was Du da gerade erlebst…“. Wie erheiternd ist es, wenn der ganze Raum in Gelächter ausbricht, weil einer sich selber aufs komischste zu schildern versteht in seinem Straucheln und Schlingern! Wie gut tut es, sich selber in den Erzählungen anderer wiederzufinden! Wie entlastend ist es, der eigenen Suche und der eigenen Hilflosigkeit Raum geben zu können und das auch endlich mal ausdrücken zu wollen!

Das schönste Geschenk einer solchen Gruppe ist ein Gefühl, das man „zu Hause ankommen“ nennen könnte: hier kann man sich fallenlassen. Hier geht es nicht darum, sich in einem möglichst schmeichelhaften Licht zu zeigen. Hier bekommt man freiwillig und gerne, was man in manchen Fällen bei seinen Freunden und in seiner Familie krampfhaft zu ergattern versucht: ehrliche Anteilnahme, Empathie und ungekünstelte Sympathie für sein So-Sein. Fatal? Irgendwie ja… :-)

Auch eine Selbsthilfe-Gruppe ist somit eine Form der Gruppen-Therapie – wenn sie sich auch so nicht nennt und das auch gar nicht sein will, oder sein soll. Ihre kurz- und langfristige Wirkung auf den Einzelnen, ist jedoch trotzdem in einem hohem Maße therapeutisch zu nennen. Wir glauben, dass die Selbsthilfe eine therapeutische Lücke schließt, weshalb sie auch von den Krankenkassen über den „Runden Tisch“ gefördert wird.

Gruppen-Ordnungen und Formierungen gibt es so viele, wie es Selbsthilfegruppen gibt. Jeder sollte sich „sein Modell“ erschnuppern: will er es nach dem Prinzip der „Anonymen“- Gruppen, oder ganz demokratisch, oder mit Moderation, sollen Referate vergeben werden, oder ist ihm etwas Körperarbeit lieber, oder…??

 

Die Veröffentlichung des Wirkens unserer Selbsthilfegruppe im Magazin EinBlick vom Selbsthilfezentrum München. Bitte wählen Sie die Ausgabe SEPTEMBER 2012. Ganz hinten unter der Rubrik: "Selbsthilfegruppen stellen sich vor"...

 

http://www.shz-muenchen.de/materialien/einblick-muenchner-selbsthilfejournal/

 

 

 

© Nicole Diercks, 2012

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